
Ich habe gerade die aktuelle Titelstory des Spiegels gelesen. “Ende der Privatheit” ist der Titel und der Artikel ist eigentlich nur eine Ansammlung von Aufzählung aktueller Google-Produkte und dass diese wirklich ganz toll sind. Wäre da nur nicht diese blöde Sache, dass Google dabei Daten aufzeichnet, wie wir diese Dienste nutzen.
Aber jetzt mal ehrlich: Was ist so schlimm daran, dass Google diese Daten aufzeichnet und auswertet, damit wir zielgerichtetere Werbung bekommen? Ja, ich will relevante Werbung bekommen! Nimmt man allein mal die letzte Seite des Google-Artikels, so ist dort Werbung für die Berlin Fashion Week zu sehen. Bei einem Artikel über Internet, Hightech-Geräte und Datenschutz. Der inhaltliche Zusammenhang ist dabei nicht vorhanden und in diesem Fall nervt Werbung nur. Werbung für ein Antiviren-Programm? Besser! Werbung für ein garantiert Google-freies Nokia-Handy? Volltreffer!
Daten über Verbraucher werden schon seit Jahrzehnten gesammelt, um Werbung an die Bedürfnisse anzupassen. Google denkt diesen Ansatz zu Ende und versorgt eine neue Generation von Werbe-Empfängern nicht mehr mit Werbung sondern mit relevanten Produkt-Informationen. Dabei plaudert Google kein einziges Geheimnis aus. Denn für die neue Generation der Internetnutzer ist der PC ein persönliches Gerät wie ein Tagebuch. Eine Ausplauderei würde nur passieren, wenn auch anderen Menschen meinen Rechner nutzen würden und so zwangsläufig in meine Google-Welt eindringen. Das wäre wie SMS auf einem fremden Handy zu lesen.
Die von Spiegel viel gescholtene Gesichtserkennung gibt es schon heute in der Foto-Verwaltungssoftware iPhoto von Apple. Und verdammt macht die Spaß! Jeder ist in Zukunft selbst für die von ihm veröffentlichten Daten verantwortlich und wird diese in Zukunft auch selbst editieren können.
Ein erster Ansatz gegen Googles Sammelwut ist da Google History. Hier können Google-Nutzer ihr getätigten Suchanfragen einsehen und bei Bedarf auch löschen. Es ist nur noch ein kleiner Schritt, bis es auch möglich sein wird, Suchtreffer über die eigene Person zu editieren oder Verknüpfungen von Bild-Inhalten aufzulösen.
Also: Wo ist das Problem, liebe Spiegel-Redakteure? Relevante Werbung? Na Endlich! Google liefert bessere Produkte als die Konkurrenz und dann auch noch kostenlos? That’s the circle of (business) life, baby! Unliebsame Inhalte können Personen zugeordnet werden? Dann lösch sie halt! Und jetzt Schluss mit Kulturpessimismus. Dieser Buchdruck war ja auch eine Erfindung des Teufels. Und was ist? Wir leben immernoch!